Falknerei im Mittelalter


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Ihren Ursprung nimmt die Jagd mit Greifvögeln vermutlich bei den Steppenvölkern Mittelasiens vor rund 3500 Jahren. Im Europa der Griechen und Römer hatte sich die Beizjagd nicht durchsetzen können - hier jagte man Vögel mit der Leimrute [...Mit Leim eingestrichene Ruten wurden schon in der Steinzeit zum Vogelfang verwendet. Früher wurde die klebrige Masse aus den Beeren der Mistel hergestellt, heute wird fast nur noch synthetisch hergestellter Leim verwendet. Meist werden Äste mit der farb- und geruchlosen Masse eingestrichen und um Beerensträucher oder Lockvogelkäfige postiert. Befreit man die festgeklebten Wildvögel schnell, sind sie oft unverletzt und werden dann oft als Lockvögel verwendet – lässt man sie zu lange an der Rute hängen, sterben sie und werden verzehrt. Leimruten werden heute noch in Südfrankreich, Katalonien (Spanien), in Italien und auf Zypern verwendet. Frankreich und Spanien haben diese Methode erlaubt... Inhalt: Wikipedia]. Bereits im 8. Jh. erlebte sie jedoch in den arabischen Ländern einen Höhepunkt. Die Kunst mit Falken zu Jagen lernten die deutschen Ritter vermutlich auf ihren Kreuzzügen ins Morgenland kennen. Spätestens seit dem hohen Mittelalter gilt die Beizjagd als Privileg des Adels und wurde zu einer Kunstform stilisiert.



Von der Kunst mit Vögeln zu jagen

"Denn Gewissheit erlangt man nicht durch das Ohr" - diesen Leitsatz formulierte Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250), der mit Rechtals Urvater der modernen Falknerei gilt. Der Staufenkaiser wandte sich damit gegen die bis dahin gebräuchliche unreflektierte Weitergabe von altem Wissen. Bereits in frühester Jugend erlernte er die arabische Sprache. Er ließ Werke der arabischen Literatur übersetzen und verfaßte selbst insgesamt sechs Bücher über die Falknerei und Vogelunde (zwei weitere konnte er vor seinem Tod nicht vollenden) in bis dahin nicht gekannter wissenschaftlicher Arbeitsweise. All seine Schilderungen und Empfehlungen bauen auf eigenen Beobachtungen und Versuchen auf. Sein Werk "De arte venandi cum avibus" (Von der Kunst mit Vögeln zu jagen) ist von solcher Naturtreue und Genauigkeit, dass es erst durch Konrad Lorenz im 20. Jh. in wenigen Teilen seiner Schlussfolgerungen widerlegt wurde.
Auf Friedrich II. geht wohl auch die Einführung der Falkenhaube zurück. Er hatte sie bei seinen Aufenthalten im Orient kennengelernt und ersetzte durch die Haube das bis dahin übliche "Aufbräuen", bei dem die untren Augenlider des Raubvogeln durch einen dünnen Faden nach oben gezogen und fixiert wurden.


Eine Wissenschaft für sich: die Beizjagd

Die Beizjagd ist die Jagd mit einem abgerichteten Raubvogel auf lebendes Wild. Das Abrichten ist ein langwieriger Prozeß, der nichts mit Dressur und blindem Gehorsam zu tun hat. Die Beizjagd erfordert eine vertrauensvolle Partnerschaft, die für den Vogel oft bereits mit dem Schlüpfen aus dem Ei beginnt.
Auch der Vogel erkennt sehr schnell die Vorteile einer solchen Beziehung: stets gutes Futter und ein trockenes Dach über dem Kopf.
Die eigentliche Ausbildung des Jagdfalken (zum Einsatz kommen auch Adler und Habichte) beginnt, wenn dieser sich an den Falkner gewöhnt hat. Der Greif wird dabei stets mit dem Fleisch der Tiere gefüttert, die er später schlagen soll. So bekommt der Falke zum Beispiel ein sogenanntes "Federspiel" (Beuteattrappe mit Lederkern und Vogelschwingen) vorgelegt. Beim Habicht, der als Kurzstreckenjäger auch für die Beiz im Wald geeignet ist, wird mit einem Kaninchen- oder Hasenbalg gearbeitet. Hat der Vogel die Attrappe geschlagen, wird er mit dem Fleisch der jeweiliegn Tierart belohnt. Später komemn dann echte, wenn auch tote, Fasane, Kaninchen etc. zum Einsatz.
In der Regel besteht ein erfolgreiches Jagdgespann aus Falkner, Greif und Hund. Die Jagd läuft dann beispielsweise folgendermaßen ab: Der Hund
(Vorstehhund) entdeckt das in der Deckung sitzende Wild und zeigt es an (das "Vostehen") .  Der Falke weiß bereits, dass gleich Beute zu schlagen sein wird und steigt auf. Der Hund scheucht das Wild auf (der Hase rennt los, der Fasan fliegt auf). Der Falke stößt mit 250/280km/h vom Himmel und schlägt das Wild, dreht eine Schleife und kehrt zur Beute zurück. Nun muß der Falkner sich beeilen, um dem Greif die Beute abzunehmen, denn der Vogel apportiert nicht wie ein Jagdhund.
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Wie das Regieren

Bei der Jagd und vor allem während der Ausbildung des Vogels darf der Falkner keine hektischen Bewegungen oder unüberlegten Handlungen vollführen. Er muß stets besonnen und selbstbewusst agieren, sonst würde der Vogel scheuen und gar den Falkner ablehnen.
Diese Eigenschaften machen den Falkner und die Beizjagd zum Sinnbild für tugendhaftes, überlegtes und zielstrebiges Handeln - Eigenschaften, wie sie ein jeder Herrscher haben sollte.
Die Beizjagd wird im Mittelalter gerne mit dem Regieren verglichen.
Wer einen Raubvogel beherrschen kann, der wird auch mit Untertanen umgehen können.
Dies macht die Falkenjagd zum Privileg für Könige und Fürsten. Der niedere Adel durfte nur mit dem Habicht jagen.
Heute wird mit Falke, Habicht und Adler gejagt, wie vor Hunderten von Jahren schon. Das Zusammenspiel von Mensch und Greifvogel ist ein Schauspiel, das jeden naturverbundenen Beobachter in seinen Bann schlägt.
Bleibt zu hoffen, dass es nicht durch falsch verstandene Tierliebe, verfehlte Jagd- und Umweltpolitik und Öko-Wahnsinn verboten wird und bei uns aus dem Repertoire der Jagdarten verschwindet.

heip





Historische Falknerei & Waldschule
http://www.waldschule-diemelsee.de









Literaturhinweise
Brommund, K.: Falknerei und Beizjagd im Mittelalter, in Karfunkel 27, 1999
Bülchel K.: Die Jagd, Köln 1999
Schwenk, S.: Friedrich II. von Hohenstaufen, in Damals 10, 1996