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Die Pest - Rätsel einer Seuche

Mitte des 14. Jahrhunderts raffte eine namenlose Seuche in nur vier Jahren ein Drittel der Bevölkerung Europas dahin. Noch heute gilt sie als der Schrecken des Mittelalters. Der schwarze Tod - so wurde die Seuche erst 1832 von dem deutschen Arzt Hecker bezeichnet - steht als Synonym für die Pestepidemie von 1347-1351.


Göttliche Strafe
Aber es war nicht die erste Pestwelle, die Europa erreichte. Schon 542-544 hatte eine Seuche im Mittelmeerraum gewütet, die als "Justinianische Pest" in die Geschichte einging. Sie kehrte bis zum Ende des 8. Jahrhunderts in etwa zwölfjährigem Rhythmus immer wieder. Noch erheblich älter sind Berichte des alten Testaments der Bibel: sie berichten von Epidemien - als göttliche Strafe - deren Symptome auf die Beulenpest schließen lassen.


"Die Pest zu London"
Und auch nach 1351 flammte die Pest immer wieder auf, besonders im 17. und 18. Jahrhundert. 1665/66 grassierte sie in London. Nach wie vor waren die Menschen schutzlos, besonders in den unteren sozialen Schichten wütete der Schwarze Tod. Daniel Defoe, der Autor von "Robinson Crusoe", berichtet in seiner fiktiven Beschreibung "Die Pest zu London" eindrucksvoll vom Horror der Seuche und über Kontakt- und Berührungsängste, wie sie uns heute, durch die Krankheit völlig unbegründet, auch bei AIDS wiederbegegnen.


War der schwarze Tod wirklich die Pest?
Woher aber weiß man nach so langer Zeit, um welche Krankheit es sich in der Vergangenheit gehandelt hat? Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Seuche durch ausgedehnte Handelsbeziehungen schließlich auf der ganzen Welt verbreitet. Während der Hongkong-Epidemie 1894 konnte Alexandre Yersin den Erreger isolieren und die Übertragung durch Rattenflöhe nachweisen. Bereits 1893 war ein wirksamer Impfstoff entwickelt worden. Für die medizinische Fachwelt war das Rätsel der jahrhundertealten Menschheitsplage damit gelöst - gestützt auf historische Berichte und Symptombeschreibungen wurde rückwirkend für alle großen Seuchen der letzten 2.000 Jahre die Beulen-Pest verantwortlich gemacht.


Die Zweifel mehren sich
Doch unter Historikern und Medizinern mehren sich die Zweifel, dass es wirklich die Beulen-Pest war, die im Mittelalter über 25 Millionen Menschen den Tod brachte und besonders im 17. Jahrhundert noch einmal dramatische Ausmaße annahm. Beim genaueren Studium historischer Quellen und bei Berücksichtigung der Ausbreitungsgeschwindigkeit dieser verheerenden Epidemien zeigt sich ein verändertes Bild, das mit den Erkenntnissen über die von Yersin beschriebene Krankheit wenig Ähnlichkeit besitzt.


Die Akte "Pest" ist noch nicht geschlossen
Der Film erzählt die Geschichte einer der tödlichsten Seuchen der Menschheit und über den Streit um ihren wahren Hintergrund. Er beschreibt, wie Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen durch jahrelange akribische Recherchen in alten Schriften eine neue Wahrheit ans Licht bringen. Nach heutigen Maßstäben und beim bisherigen Kenntnisstand der alten Quellen deutet vieles auf eine sich besonders rasant ausbreitende Art von hämorrhagischem Fieber oder auf Ebola hin. Die Akte "Pest" ist also keineswegs geschlossen. Das große Sterben im Mittelalter ist bis heute ein schauriges Geheimnis. Bis jetzt kennt niemand die genaue Ursache der tödlichsten Epidemie, die die Menschheit jemals traf. Und niemand kann sicher sein, dass sie nicht wiederkehrt.



Gefunden: www.ndr.de