Schwaney - Suanecghe




Auszug aus dem Buch "Schwaney - Zur Geschichte eines tausendjährigen Siedlungsraumes" von Heinz Küting, verlegt bei der Gemeinde Schwaney, 1963

[S. 43, K. 12.]

"Suanecghe"

Nicht ohne Grund möchte ich an den Schluß der stattlichen Reihe von größeren Höfen und kleineren Dörfern, die früher verstreut in der heutigen Schwaneyer Flur lagen, die Siedlung Suanecghe stellen. Sie war nicht die größte, aber insofern besonders bedeutungsvoll, als sie dem Dorfe den Namen gab.
Wenden wir uns zunächst der Namensdeutung zu. Bischof Balduin sprach 1344 von "Suanecghe". Und das war wohl auch die älteste und ursprünglichste Form. Man hat auf der Suche nach der Namenserklärung vom Schwane gefaselt, man hat das Schwein (Su, Sau) in den Kreis der Überlegungen einbezogen. Aber es gab hier im frühen Mittelalter und auch später keine Schwäne und auch nur wenig Schweine. Selbst H. Jellinghaus [58] spielte noch mit dem borstigen Gedanken und deutete den Ortsnamen mit "Herdenwinkel".
Wer die örtlichen Verhältnisse kennt, weiß zu Genüge, dass Schwaney, insbesondere der Unterhof, auf einem ausgedehnten Quellgrunde steht. Es gibt im Dorfe eine beträchtliche Anzahl von Bachläufen und Dutzende von Quellen, Springen und Brunnen. Manche davon sind verschüttet oder abgedeckt. Noch vor 70 Jahren dienten die Bäche als Fahrwege, und unterhalb der Kirche lag eine kleine Seenplatte. Der hohe Grundwasserstand verhinderte in vielen Häusern die Anlage von Kellern. Und dieser natürliche Wasserreichtum, der auch schon viel Not und Elend ins Dorf brachte, hat der Siedlung Suanecghe und damit der heutigen Gemeinde den Namen gegeben.
Das mittelhochdeutsche Wort "sute" oder "sutte", das auch in unseren Wörtern "Sut", "Saut" und "Suhle" steckt und soviel wie Lache (lat. lacus=See), Pfütze und Wasserloch bedeutet, spiegelt sich auch in der ersten Hälfte des Namens Suanecghe wider. Das ecghe (egge) im zweiten Teile des Wortes ist, wie Jellinghaus wohl richtig bemerkt, ein langhingestreckter Berg oder Höhenrücken. Und den hat Schwaney in nächster Nähe im alten Osning (Osnegge, Eggegebirge). Demnach hieße die natürlichste und sinnvollste Namensdeutung "Wasserloch am Höhenrücken" (Wasserloch an der Egge).
Und diese Bezeichnung ist nicht erst 1344 von Bischoff Balduin geschaffen worden. Bei der Deutung des Namens Schwaney erwähnt Jellinghaus einen J. de Swaneyen mit der Jahreszahl 1187. Er scheint als Johan de Swanegen und als Zeuge unter einer 1187 ausgefertigten Urkunde des Bischofs Arnold von Osnabrück [59]. Auf eine Anfrage nach der Herkunft dieses Johan de Swanegen beim Niedersächsischen Staatsarchiv in Osnabrück ging am 20. Dezember 1960 die Antwort ein, dass Johan von Swanegen Ministeriale (Dienstmann) der Bischöfe von Osnabrück war. Seine Herkunft sei nicht sicher, die Deutung werde in Schwenningdorf im Kirchspiele Rödinhausen (Kreis Herford) oder Swaneken, Bauerschaft Hörste, Kirchspiel Neuenkirchen i. O. (Kreis Bersenbrück), gesucht. Wenn der Direktor des Staatsarchiv auch eine Beziehung zu Schwaney im Kreise Paderborn nicht annehmen zu können glaubt, ist das immer noch kein Beweis, dass J. de Swanegen nicht doch in einer Namensverwandtschaft zu Suanecghe (Swanegge, Swanee, Schwaney) gestanden hat. Seine Herkunft ist jedenfalls bis heute nicht geklärt.



In einem aufschlussreichen Deutungsversuche der westfälischen Namen auf =ei und =egge nimmt Heinrich Dittmaier bei Schwaney u.a. Bezug auf Jellinghaus und schreibt: "Schwaney, Paderborn: 1187 de Swaneygen, 1344 Swanegge: Zu as.swan "Schwan".[60] Mag sich der Name Schwaney auch in eine große Familie klang= und artvertrauter Ortsbezeichnungen eingliedern lassen, so kann und darf seine Sinn= und Herkunftsanalyse nur unter dem Gesichtspunkte der arteigenen örtlichen Gegebenheiten erfolgen, die hier durch Wasser und Gebirge geprägt sind.
In Suanecghe hatten die Paderborner Bischöfe einen sehr alten Hof, sogenanntes Tafelgut, das sicherlich auch von einem bischöflichen Verwalter, einem villicus, bewirtschaftet wurde, der später den Stand des niederen Adels, der Ministerialen oder Dienstleute, aufrückte. Diese Verwalter pflegten sich nach dem Hofe, den sie für den Grundherrn betreuten, zu benennen.
Man kannte damals auch den Austausch von Ministerialen. So tausche Bischof Otto von Paderborn im September 1291 mit dem Stifte Corvey Ministeriale aus. [61]
Könnte J. de Swanegen nicht auch aus der Dienstbarkeit eines Paderborner Bischofs in die Abhängigkeit eines gleichen Osnabrücker Würdenträgers gekommen sein?
Der Standort der Siedlung Suanecghe ist nicht strittig, weil wir die Lage des alten bischöflichen Tafelgutes kennen. Es war der alte Füllenhof, der immer noch breit und behäbig am nördlichen Rande des Dorfes liegt. Die kleinen Häuser seiner Kolonen hatten sich schon früh auf der Südseite des Hofes bis in den Raum der "Kumbiecke" gedehnt, die auch heute noch den Kern des Dorfes bildet.
Wertvoller Bestandteil des bischöflichen Hofes in Suanecghe war auch die 1344 erwähnte "Suanecgher Wiese" (pratum Suanecghe). Dass Suanecghe vor 1344 kaum in Erscheinung trat, lag einzig und allein daran, dass keinerlei Gründe vorlagen, über dieses ausschließliche Eigentum der Paderborner Bischöfe zu reden oder zu schreiben. Und das war wirklich kein schlechtes Zeichen für Suanecghe.




[58] H. Jellinghaus: Die westfälischen Ortsnamen nach ihren Grundwörtern, Osnabrück 1923.
[59]
Osnabrücker Urkundenbuch I, Nr. 388.
[60]
Heinrich Dittmaier: Die westfälischen Namen auf =ei (=ey) und =egge, in: "Niederdeutsches Wort", herausgegeben von William Foerste, Bd. 3, Heft 1, 1963, S. 11.
[61]
Joh. Linneborn: Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen, Münster 1920.