Wappenkunde
Die Geschichte des Wappenwesens
begann aus notwendigen Erkennungsgründen. Das Mittelalter brachte das
Rittertum hervor. Wichtige Teile der Rüstung waren Schild und Helm. Der
Helm mit seinen schmalen Sehschlitzen war nicht geeignet, ein breites
Beobachtungsfeld zu bieten. Also mussten Zeichen her. Hierfür war
nichts besser geeignet als die Fläche des Schildes. So entstanden
farbige, einprägsame und deutlich erkennbare Symbole, die auf den
Schild gemalt wurden. Später kamen diese Kennzeichen auch noch auf
anderen Gegenständen vor, wie Pferdedecken und Banner. Es entstand
damit das Wappenwesen. Sein zeitlicher Ursprung liegt im frühen 12.
Jahrhundert.
Das Wappenwesen nahm seit seinem Aufkommen
einen ungeahnten Aufschwung. Von etwa 1200 an werden die Kennzeichen persönlich
und erblich, werden zu Familienwappen. Waren die Wappen ursprünglich nur dem
(höheren) Adelsstande vorbehalten, der diese Zeichen aufgrund selbstgesetzten
Rechts annahm, führten schon bald auch Bürger und Bauern Wappen.
Erste Belege gibt es dafür bereits aus dem 13. Jahrhundert. Der Rechtsgelehrte
Bartolo de Saxoferrato (1314–1357) schreibt in seinem Traktat über die Wappen:
„Jeder kann Wappen und Abzeichen annehmen, sie tragen und auf ihm gehörende
Sachen malen.“
Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts unter
Kaiser Karl IV. (1346-1378) sind offizielle Wappenverleihungen an den niederen
Adel und an das Bürgertum belegt. Die Verleihung von Wappen erfolgte mit einem
Wappenbrief, in dem das Wappen beschrieben und der Grund der Verleihung
angeführt wurde. Solche Wappenverleihungen nahm der Kaiser selbst vor oder
seine damit beauftragten Amtspersonen, die Hofpfalzgrafen (comites palatini).
Bürgerliche mussten für die begehrten Wappenbriefe, die ihnen das Recht der
Führung eines bestimmten Wappens verbrieften, oft hohe Abgaben entrichten. Die
von Seiten der Obrigkeit offenbar aus Rücksicht auf die willkommene (Gebühren-)
Geldquelle entsprungenen Versuche, die freie Annahme der Wappen zu unterbinden,
blieben jedoch gänzlich ohne Erfolg.
Später, mit dem Verfall der kaiserlichen
Zentralmacht, vergaben auch viele Territorialfürsten Wappen. Die
diesbezüglichen Prüfungsaufgaben versahen dabei vielfach die sogenannten
Heroldsämter; in einigen Ländern existieren sie noch heute, wobei das englische
„College of arms“ das berühmteste ist. In der Schweiz gab es, aufgrund ihrer
republikanischen Tradition, diese Einrichtung nie. In Deutschland und
Österreich sind sie mit dem Untergang der Monarchie aufgelöst worden. Ihre
Aufgaben übernahmen u.a. die bereits bestehenden alten heraldischen Fachvereine
(Deutschland: Herold, gegr. 1869 in Berlin, Heraldischer Verein „Zum
Kleeblatt“ von 1888 zu Hannover; Österreich: Adler, Heraldische
Gesellschaft in Wien, 1870; Schweiz: Schweizerische Heraldische Gesellschaft,
1891).
In der Bundesrepublik Deutschland kann jeder
ein Wappen führen. Hierzu muß das Wappenrecht beachtet werden.
Erforderlich ist das Bestehen des Wappens. Bei neuen Familienwappen bedarf es
einer (formlosen) Annahme des Wappens. Der Wille zur Wappenführung muss jedoch
klar zum Ausdruck kommen. Ein solcher Nachweis kann durch eine Eintragung
in eine anerkannte Wappenrolle erfolgen. Das bedeutet dann auch gleichzeitig,
dass das Wappen gemäß den anerkannten Wappenregeln angefertigt und angenommen
wurde. Bei der Neuannahme eines Wappens sollte sich der Wappenstifter
grundsätzlich von einem Heraldiker beraten lassen. So vermeidet er unnötigen
Ärger und unnötige Kosten. In Hannover wurde bereits im Jahr 1906 ein
prachtvolles Stammbuch begonnen, in das alle Mitglieder des 1888 gegründeten
Heraldischen Vereins "Zum Kleeblatt" ihr Wappen einzeichnen lassen
konnten.
Leider versuchen auch heute noch kommerzielle
Verkaufsunternehmen, insbesondere auf Messen, bereits vorhandene Wappen zu oft
bedeutenden Summen an Personen mit gleichlautendem Namen zu veräußern. Es ist
erfreulich, dass die rein genealogischen Vereine deswegen verstärkt mit den
seriösen heraldischen Vereinen und anerkannten Heraldikern zusammenarbeiten.

Wappenrock von Gunther v.d. Brede
Wer es vermag, kann aus Wappen und heraldischen Darstellungen interessante geschichtliche Details ablesen. Die entsprechende historische Hilfswissenschaft, die Wappenkunde oder Heraldik, hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüsst. Dabei hat ihr Gegenstand, das Wappen, das in der Vollform vielfältigst mit Figuren, Linien und Feldern verziert erscheinen kann, eine lange Entwicklung genommen: Vom einfachen Unterscheidungszeichen auf den Wappenschilden der Ritter und Turnierkämpfer führte sie bis zu den Vollwappen mit Schildträgern, Helmzier und anderem heraldischem Beiwerk, von den Wappen der adligen Familien zu den Stadt-, Staats- und Institutionenwappen. Zu deren exakter Beschreibung hat die Heraldik zudem eine eigene Terminologie sowie für die Führung eines Wappens eigene Bestimmungen im Wappenrecht entwickelt.
Herạldik [französisch »Heroldskunst«, zu héraut »Herold« (nach der dem Herold zukommenden Aufgabe, bei Ritterturnieren die Waffen zu prüfen)] die, historische Hilfswissenschaft, die Wappenkunde (Geschichte, Regeln und Gesetze der Wappenanfertigung und -führung; auch theoretische Heraldik genannt) und Wappenkunst (Entwurf und Darstellung von Wappen gemäß heraldischen Regeln; auch praktische Heraldik genannt) umfasst. Die Wappenbeschreibung (Blasonierung) wird vom Schildträger aus gedacht, nennt also »rechts«, was vom Beschauer aus »links« ist, und umgekehrt. Hauptbestandteile eines vollständigen Wappens (Vollwappen) sind Schild und Helm mit Helmzier und Helmdecken. Der Schild ist mit linearen Einteilungen (Heroldsstücken) gemustert oder trägt im »Feld« eine oder mehrere Figuren (Heroldsbilder). Die linearen Einteilungen bilden Plätze in mindestens zwei Farben. Leere Flächen können durch ornamentale Musterung belebt (damasziert) werden. Die Figuren dienen vielfach zur bildlichen Darstellung des Namens des Wappeninhabers (redendes Wappen). Manche Lebewesen, Pflanzen oder »gemeine Figuren« werden wegen eines bestimmten Sinngehalts als Wappenbilder bevorzugt (Löwe, Adler, Rose, Lilie). Wappenschild und Figuren sind mit »heraldischen Farben« (Tinkturen) und »Metallen« versehen. Der Helm, teilweise mit einer Helmkrone ausgestattet, ruht auf dem oberen Schildrand. Die Helmzierden (Zimier, von französisch cimier) sind formenreich. Sie waren ursprünglich plastische Aufbauten auf dem Helm. Oft wiederholen sie die Bilder des Schildes, besonders Tiere.
In Siegeln leben die Wappen fort; sie sind eine Hauptquelle für die Kenntnis der Wappenbilder. Ihre rechtliche Bedeutung überträgt sich auch auf die Wappen, sodass Inhaber verschiedener Rechte auch mehrere Wappen führten oder führen. Die bei Rundsiegeln in die Hohlräume komponierten Figürchen entwickelten sich seit dem 15. Jahrhundert zu ständigen Begleitfiguren, die schließlich als Schildhalter zu vielen hochadligen Wappen gehören. Weitere Verzierungen (Prachtstücke, Prunkstücke) können aus Spruchbändern mit Wahlsprüchen und aus zusätzlichen Fahnen bestehen, bei fürstlichen Wappen auch aus Lorbeer-, Eichen-, Öl- und Palmzweigen; dazu kommen seit Ende des 17. Jahrhunderts Wappenmäntel und Wappenzelte (Thronzelte, »Pavillons«).
In Wappenbüchern, meist nach Ständen oder Territorien
gesonderte Sammlungen von Wappen, wurden diese seit dem 13. Jahrhundert
beschrieben und dokumentiert; als eines der bedeutendsten gilt das von
Johann Siebmacher († 1611) schon 1596/1605 begonnene und später bis
1806 fortgeführte Wappenbuch. In einem Wappenbuch vorgefundene Wappen
können nur dann für eine Familie in Anspruch genommen werden, wenn der
genealogische Zusammenhang mit dem nachweisbar ersten Wappenträger
hergestellt werden kann.

Die heraldisch richtigen Farben sind: GOLD, SILBER, ROT, BLAU, GRÜN, SCHWARZ.
Gold stand für Reichtum und
Ansehen
Silber stand für Reinheit und
Rot stand für Stärke und
TapferkeitWeisheit.
Blau stand für
Aufrichtigkeit und Treue
Grün stand für Freiheit und
Fröhlichkeit
Schwarz stand für Standhaftigkeit und Trauer
Eine symbolische Bedeutung der sechs heraldischen
Tinkturen ist nicht erwiesen. Mittelalterliche Herolde
und Wappendichter umschrieben jedoch die Farben
poetisch, setzten sie Edelsteinen gleich und übertragen
ihnen deren Symbolik.
GOLD = GELB
Planet: Sonne
Edelstein: Topas
Symbolik: Herrlichkeit, Würde, Ansehen,
Reichtum, Hoheit, Verstand, Tugend
Schraffierung: Punkte
SILBER = WEISS
Planet: Mond
Edelstein: Perlen
Symbolik: Reinheit, Keuschheit, Weisheit,
Freude, Unschuld
Schraffierung: Keine
ROT
Planet: Mars
Edelstein: Rubin
Symbolik: Recht, Stärke, Tapferkeit, Einsatz
für das Vaterland, Liebe
Schraffierung: Senkrechte Linien
BLAU
Planet: Jupiter
Edelstein: Saphir
Symbolik: Beständigkeit, Treue, Ruhm, Ehre,
Aufrichtigkeit
Schraffierung: Waagrechte Linien
SCHWARZ
Planet: Saturn
Edelstein: Diamant
Symbolik: Standhaftigkeit, Demut, Friede,
Trauer, Erhabenheit
Schraffierung: Kombination waagrechte und
horizontale Linien
Inhalt: Link
Die Gestaltung eines Wappens
Ein vollständiges Wappen („Vollwappen“) besteht im wesentlichen aus dem Schild, dem Helm, der Helmzier und der Helmdecke. Bei Neustiftungen (= Neuannahmen) werden i.d.R. nur Vollwappen in den Wappenrollen registriert. Zubehör sind Wappensprüche, Würde- und Rangabzeichen, Schildhalterfiguren und Orden. Bei neu angenommenen Wappen sollte aber kein Zubehör verwendet werden. Die zum heraldischen Zubehör zählenden Wappensprüche sind nicht erblich.
Bürgerliche Wappen zeigen in der Regel den (älteren) Stechhelm, adlige Wappen dagegen den Bügelhelm (siehe hierzu Ausführungen unten). Bei Neustiftungen (= Neuannahmen) werden allgemein nur Vollwappen mit Helm und Helmzier in die anerkannten Wappenrollen eingetragen. Bürgerliche Wappen zeigen dann grundsätzlich den Stechhelm.
Die Heraldik kennt nur bestimmte „Farben“ (Rot, Blau, Schwarz, Grün und - seltener - das Purpur) und „Metalle“ (Gold/Gelb und Silber/Weiß). Daneben wird Pelzwerk (Hermelin, Feh und Kürsch) dargestellt. Dieses Pelzwerk kann mit Metallen und Farben auch kombiniert werden. Die später den heraldischen Tinkturen zugeordnete – unheraldische - Farbe Braun sollte bei neuen Familienwappen tunlichst vermieden werden. Wahrscheinlich ist die braune Tinktur aus einem später stark nachgedunkelten Rot, das im Laufe der Zeit missverstanden wurde, entstanden.
Eine Regel,
welche ursprünglich mit der Fernwirkung zu tun hatte, ist, dass niemals Metall
an bzw. auf Metall, noch Farbe an bzw. auf Farbe gesetzt werden darf. Metall
und Farbe sollen sich abwechseln. Grundsätzlich wird angeraten, bei der
Neustiftung eines Wappens möglichst nur eine Farbe und ein Metall zu verwenden.
Es gilt wie bei der Auswahl der Schildfiguren der Grundsatz: Weniger ist mehr!
Der Schild ist der wesentlichste Bestandteil eines Wappens. Ursprünglich bestand das Wappen nur aus dem Schild. Der Inhalt eines Schildes wird in Heroldsbilder, das sind die verschiedenen Schildeinteilungen, und gemeine Figuren, in der Regel stilisierte Tiere, Pflanzen und Fabelwesen, eingeteilt. Buchstaben und Zahlen sind unheraldisch und sollten bei Neustiftungen vermieden werden.
Erst im ausgehenden Mittelalter kamen Helm, Helmzier und Helmdecke hinzu. Zuerst der Topfhelm, dann der Kübelhelm, später der Stechhelm und der Bügelhelm. Als Helmzier wurden Flügel, Hörner, steigende Pferde, Vögel, Geweihe usw. aufgesetzt. Die Stellung der Helmzier richtet sich dabei immer nach der Blickrichtung des Helms. Bei Wappen adeliger Familien wurden statt Helm und Helmzier auch Kronen auf den Schild aufgesetzt, was bei bürgerlichen Wappen nicht üblich war und ist.
Die Helmdecke war ursprünglich ein Bestandteil des Helms. Sie wurde später zur ornamentalen Ausschmückung des Wappenbildes benutzt und im Stil dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Die Helmdecke ist ein über den Helm gebreitetes, an beiden Seiten herabhängendes, vielfach in kleine schnörkelige Streifen geschnittenes Tuch in den Wappenfarben. Es wurde zur allgemeinen Regel, dass die Außenseite der Helmdecke eine andere Farbe erhielt als die der Innenseite. Hierbei ist ebenfalls das oben genannte (heraldische) Farbgesetz von Farbe und Metall zu befolgen. Die Metalle (Gold und Silber) erscheinen meist als Futter (= auf der Innenseite). Allgemein bestimmen die Hauptfarbe und das Hauptmetall des Wappens die Helmdecke. Geht das Helmkleinod allerdings ohne Helmwulst direkt in die Helmdecke über, so bestimmt dieses immer deren Farbe.
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