Albertus Magnus



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Nur einige überragende Gestalten der Geschichte tragen den ehrenvollen Beinamen "der Große". Einer von ihnen ist Bruder Albert aus dem Predigerorden. Schon zu seinen Lebzeiten stand er in sehr hohem Ansehen. "Albert brachte Geschmack und Instinkt für das Große mit" (Y. Congar).

Um 1200 wurde Albert in Lauingen an der Donau geboren. Wie aus seinen Werken hervorgeht, hat er sich in seiner Jugend sehr mit der Beobachtung der Natur befaßt. Als Student in Padua wurde er 1223 durch Jordanus von Sachsen, dem Nachfolger des hl. Dominikus, für den Orden gewonnen, eingekleidet und nach Köln geschickt. Köln war damals die größte Stadt Deutschlands. Sie wurde Albert zur zweiten Heimat. Hier absolvierte er das Noviziat und das theologische Studium. Von 1228 an war er Lektor in den Konventen zu Köln, Hildesheim, Freiberg oder Freiburg i. Br., Regensburg und Straßburg. Er hatte die Aufgabe, seine jungen Mitbrüder zu Seelsorgern auszubilden und die anderen weiterzubilden. In dieser Zeit entstand sein Werk "Über die Natur des Guten." Sein wissenschaftliches Schaffen stand im Dienste der Seelsorge. Er war kein zurückgezogen lebender Gelehrter, sondern Predigerbruder. Sein ganzes Wirken hatte der Predigt und dem Heil der Menschen zu dienen. Was Dominikus seinen Brüdern mit auf den Weg gab, "mit Gott oder mit anderen von Gott zu sprechend, hat auch Albert geprägt. So sagte er einmal: "Wahrer und vollkommener Seeleneifer ist dann vorhanden, wenn jemand durch heilige Beschauung und glühendes Verlangen, durch Tränen und Gebet, durch Nachtwachen und Fasten, durch Predigen und Beichthören, durch gute Ratschläge, heilsame Belehrungen und durch andere gute Werke für das Heil der Seelen arbeitet."

Albert widmete sich jeder Art der Seelsorge; er stand mitten im Volk. Die Sorge um das Heil der Menschen führte ihn immer wieder hinaus aus dem Kloster. So übernahm er auch die schwierige Aufgabe eines Schiedsrichters und Friedensstifters, wie z. B. in Köln zwischen dem Erzbischof und den Bürgern 1252, 1258 und 1271.

Der Ordensmeister Johannes von Wildeshausen berief Albert 1243 auf einen der beiden Lehrstühle des Ordens an der Universität Paris, dem theologischen Zentrum des Abendlandes. Albert las die Sentenzen des Petrus Lombardus. Anfang 1245 wurde er zum Magister der Theologie promoviert. In Paris begann er, sich mit Aristoteles auseinanderzusetzen, der zu einer ernsten Gefahr für das christliche Denken geworden war. In entsagungsvoller Arbeit machte er das gesamte aristotelische System für die Theologie fruchtbar. Sein Schüler Thomas von Aquin vollendete dieses Werk und schuf die große Synthese von aristotelischer Philosophie und christlicher Theologie. Albert gelang es, die Gefahr zu bannen, die im 13. Jahrhundert durch die heidnische Philosophie für die Theologie entstand, mußte sich aber gegen die Traditionalisten seiner Zeit verteidigen: "Diese Dummköpfe", sagte er, Lästern, was sie nicht verstehen". Und seinen Kommentar zur "Politik" des Aristoteles beendet Albert folgendermaßen: " ... Ich sage das deshalb, weil einige Faulenzer, die eine Entschuldigung für ihre Faulheit haben wollen, in den Büchern nur Dinge suchen, die sie tadeln könnten. In Trägheit erstarrt, suchen sie, um mit ihrem Nichtstun nicht allein dazustehen, den Erwählten einen Makel anzuheften."

Albert verließ 1248 Paris; denn der Orden wechselte öfters seine Professoren, um die Zahl seiner Gelehrten zu vermehren und immer wieder neuen Schwung in die Universität zu bringen. Er ging nach Köln, um ein Generalstudium aufzubauen, das die Grundlage für die spätere Universität Köln bildete und die erste Hochschule Deutschlands war. Vor Albert hatte Köln keine Bedeutung in der wissenschaftlichen Welt. Die bedeutendsten Schüler Alberts in Köln waren Thomas von Aquin und Ulrich von Straßburg.

Von 1254 bis 1257 war Albert Provinzialprior der deutschen Dominikaner. Die Provinz Teutonia zählte damals etwa 40 Konvente. Albert reiste zu Fuß durch Deutschland von Antwerpen bis Wien und von Riga bis Chur, um die Konvente zu visitieren. Er achtete sehr auf die strenge Beobachtung der Armut; gegen Prioren, die zu Pferd zum Provinzkapitel erschienen, und gegen Mitbrüder, die Geld bei Ordensfremden hinterlegt hatten, verhängte er drakonische Strafen. Zur Verteidigung der Bettelorden sandte ihn der Ordensmeister zum Papst, der damals in Anagni, südlich von Rom, residierte. Papst Alexander IV. ernannte 1260 Albert zum Bischof von Regensburg. Gegen die Bitten des Ordensmeisters, der ihn lieber auf der Totenbahre als auf dem Bischofsstuhl sehen wollte, nahm er das Amt an, legte es aber schon nach einem Jahr nieder, um als einfacher Ordensmann ins Kloster zurückzukehren. Der Papst entließ ihn noch nicht sofort aus seinen Diensten, er behielt ihn zunächst an der Kurie und beauftragte ihn, in Deutschland und Böhmen den Kreuzzug zu predigen.

Von 1264-67 lebte Albert im Konvent in Würzburg, anschließend in Straßburg, wo sein Lieblingsschüler Ulrich von Straßburg an seiner theologischen Summe arbeitete. 1270 kehrte Albert wieder nach Köln zurück. Aber auch hier wurde ihm im Alter keine Ruhe gegönnt. Er reiste nach Fulda, um den Abt zu bestätigen und zu weihen. Oft war er unterwegs zu Altar- und Kirchweihen am Niederrhein und in Flandern.

Ob er 1274 am Konzil in Lyon teilnahm und sich dort für die Anerkennung der Wahl Rudolfs von Habsburg einsetzte, womit das Interregnum, die Kaiserlose, die schreckliche Zeit" beendet wurde, wird neuerdings in Frage gestellt.

Nach einer reichen und ausgefüllten Tätigkeit, die ihn kreuz und quer durch Europa führte, starb Albert am 15. November 1280 zu Köln. Sein Grab ist heute in der St. Andreas-Kirche, die seit 1947 von Dominikanern betreut wird. Nachdem Albert schon Jahrhunderte als Seliger verehrt worden war, wurde er 1931 in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen und erhielt den Titel Kirchenlehrer.

Worin besteht seine Größe, die die Eifersucht eines anderen großen Mannes, des Minoriten Roger Bacon, erregte, weil die Studenten an ihm hingen und er in Disputationen und Vorlesungen als Autorität zitiert wurde, was damals ungewöhnlich war: "Er lebt noch und hat in seinem Leben ein Ansehen, wie niemals ein Mensch es in der Wissenschaft gehabt hat." Albert beherrschte wie kein anderer Denker das philosophische und naturwissenschaftliche Denken seiner Zeit. "Ein universales philosophisches Genie" nennt ihn der Dichter Heinrich von Würzburg um 1265. Er hat ein Werk hinterlassen, das heute 40 Bände umfaßt. Dieses Werk enthält nicht nur Abhandlungen über Theologie und Philosophie, sondern auch Traktate über Grammatik und Mathematik, Biologie, Astronomie, Chemie und Alchemie. Mit seiner umfassenden Kenntnis verband er ein klares, kritisches Urteil und eigene systematische Beobachtung. In der Geschichte der Naturwissenschaft, insbesondere der Botanik und Zoologie, nimmt er einen bleibenden Platz ein. Seine besondere Liebe galt dem Lebendigen. Mit der Exaktheit und Beobachtungsgabe eines echten Forschers drang er ein in die Geheimnisse der Natur und kam zu Ergebnissen, vor denen nicht nur seine Zeitgenossen staunend standen, sondern die auch wir heute noch bewundern. Er kannte die Pflanzen und Tiere wie kaum ein zweiter. In all seinem Forschen begegnete ihm Gott.

Dieser ungewöhnliche Geist vertraute im letzten auf die Gnade Gottes. Er verband ein sehr intensives Gebetsleben mit seiner Arbeit. Oft unterbrach er sein Studium, um vor dem Herrn im Tabernakel seine Schwierigkeiten auszubreiten und Erleuchtung seines Verstandes zu erflehen. Nicht der Verstand allein führt zur Erkenntnis Gottes, eine viel lebendigere Erfahrung Gottes macht der Mensch, der Gott liebt und der ihm in Demut naht. Er sagte einmal: "Will man fragen nach den Geheimnissen Gottes, so frage man nach dem ärmsten Menschen, der auf Erden weilt und der mit Freuden arm ist aus Liebe zu Gott, der weiß von Gottes Geheimnissen mehr denn der weiseste Gelehrte auf Erden."

Seine besten und eindrucksvollsten Schriften hat Albert der Mystik gewidmet und schuf damit die Grundlage für eine solide Mystik. Spätere Mystiker, besonders Meister Eckhart, sind von ihm stark beeinflußt.

Das Gebet war für Albert die Quelle, aus der er immer wieder neue Kraft schöpfte. Trotz aller Anerkennung, die ihm aus seiner Genialität erwuchs, blieb er immer der schlichte und demütige Ordensmann, der aus ehrlichem Herzen betete: "0 Herr, ich wollte, daß ich wäre ein Mensch nach Deinem allerliebsten Willen"

Meinolf Lohrum OP


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weitere Infos: Albertus Magnus und die Scholastik

Zeittafel

Um 1200 Geburt Alberts; Albert wurde ca. 1193, vielleicht auch 1206/7 zu Lauingen / Donau in Schwaben geboren.

1222 Albert hält sich in Oberitalien auf, wohnt bei seinem Onkel und beginnt ein Studium der Medizin und der Philosophie in Padua; in Deutschland gibt es noch keine Universitäten. 

Sommer 1223 Albert wird in Padua durch Jordan von Sachsen (Nachfolger von Dominikus) für den Dominikaner-Orden gewonnen. Noviziat in Köln

1224 Profess und Beginn des Theologiestudiums in Padua

1228 Abschluss des Studiums‚ Priesterweihe, Beginn der Lehrtätigkeit in deutschen Konventen

1243 Bakkalaureus in Paris

1245 Magister der Theologie in Paris, Thomas von Aquin kommt nach Paris und wird Schüler von Albert

1248 Albert geht mit Thomas von Aquin nach Köln, das er bis zu seinem Lebensende nur noch vorübergehend verließ: z.B. für Reisen nach Italien oder Böhmen, wo er den Kreuzzug predigte; Gründung der Hauptschule seines Ordens (studium generale)

1254 Albert wird in Worms zum Ordensprovinzial für Deutschland gewählt, Thomas geht nach Paris.

1256 in Anagni bei Papst Alexander IV.

1257 Entpflichtung vom Amt des Ordensprovinzials, zweite Vorlesungsperiode in Köln

1260 Ernennung zum Bischof von Regensburg, 29.3. Ankunft in Regensburg, Mai / Juli Bischofsweihe; 1260-1262 öfter in Italien bei Papst Urban IV.

1262 Entpflichtung als Bischof von Regensburg

1263 13.2., Ernennung zum Kreuzzugsprediger für Deutschland; Nach dem Tod Urbans IV. am 2.10.64 legt Albert sein Amt als Kreuzzugsprediger nieder.

1267 Aufenthalt in Straßburg. Albert hält Vorlesungen und setzt seine Studien fort. Reisen am Niederrhein, nach Baden, Württemberg, der Schweiz, Mecklenburg

1269 Alberts Ansehen ist groß. Sein Ordensmeister will ihn als Professor der Theologie wieder nach Paris senden. Albert fühlt sich für dieses Amt zu alt und empfiehlt die Berufung seines einstigen Schülers, Thomas von Aquin.

1270 Rückkehr nach Köln

1271 16.4., Durch Vermittlung Alberts kommt es zum Friedensschluss zwischen Erzbischof Engelbert und der Stadt Köln.

1274 Reise zum Konzil nach Lyon. Albert setzt sich für die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König ein und trägt damit zur Überwindung der kaiserlosen Zeit bei. Thomas stirbt am 7.3. auf dem Weg zum Konzil.

1277 Reisen nach Antwerpen, Löwen, Utrecht, Xanten, Soest

1280 Albert stirbt am 15. November 1280 an Altersschwäche im Kölner Konvent. Er wird in der Dominikaner-Kirche beigesetzt.