Hildegard von Bingen


Die zwar nie offiziell heiliggesprochene, aber in den im römischen Kalender als heilig verzeichnete, schon zu Lebzeiten "prominente" Nonne Hildegard von Bingen, Seherin, Prophetin, Mystikerin, Naturforscherin, Ärztin,d Philosophin, Dichterin und Musikerin ist wohl die interessanteste Frau des Mittelalters. 
Damals war es üblich, daß das zehnte Kind einer Familie in ein Kloster gegeben wurde, und so brachte man auch Hildegard im Alter von acht Jahren in einem Benediktinerkloster unter. 
Mit 15 trat sie als Ordensschwester dem neu gegründeten Benediktinerinnenkloster bei. 1136 wurde sie selbst zur Äbtissin. Als Äbtissin übte sie bedeutenden Einfluß auf die Gelehrten und Politiker ihrer Zeit aus. 1147 gründete sie ein zweites Kloster - Rupertsberg in der Nähe von Bingen,  - dessen geistliche Unabhängigkeit sie festlegen ließ. Dort  starb sie am 17. September 1179 mit 82 Jahren.

Sie hatte schon seit frühester Kindheit Visionen gehabt, aber erst im Alter von 42 Jahren erhielt sie nach eigenen Aussagen von Gott den Auftrag, alles festzuhalten und zu verkünden, was ihr in dieser und in kommenden Visionen geoffenbart wurde. Nach anfänglichen Zögern begann Hildegard dem Mönch Volmar, ihrem Sekretär, die geschauten Visionen zu diktieren. So entstanden im Laufe der Jahre mehrere Bücher, die sich mit den Elementen, Temperamenten, der Säftelehre, Ursprung und Entstehung von Krankheiten, Zeugung und Geburt, Embryologie, Arzneimittel, Pflanzenkunde und allgemeinen Gesundheitshinweisen befaßten.

Ihre "Naturkunde" (Physica) ist wohl die erste in deutscher Sprache und enthält differenzierte Angaben über Wesen und Wirken von mehr als 500 Pflanzen und Tieren, Edelsteinen und Metallen;  „Causae et Curae“ berichtet über „Ursachen und Behandlung von Krankheiten“.

Heute findet der viele Jahrhunderte lang ungelesene Wissensschatz wieder wachsenden Anklang. Vor allem ihre ganzheitlich orientierte Heilkunde liegt im Trend der heutigen Zeit, denn sie behandelte nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen der Leiden; der seelische Gemütszustand der Patienten hatte für sie eine wichtige Bedeutung. Man findet bei ihr wertvolle Informationen über die Wirkungen von Heilkräutern; Hildegards Loblied auf den Dinkel ist 7. B.  schon lange wissenschaftlich erklärbar. Alant, Brennessel, Tausendgüldenkraut, Bachbunge, Ysop, Lavendel, Mariendistel hatten z. B.  ihren festen Platz in ihren Schriften; Galgant, Bertram oder Quendel werden heute als "Hildegard-Kräuter" u.a. in Naturkostläden angeboten.


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