Roger Bacon



Roger Bacon lebt etwa von 1220 bis 1292. Besonders bezüglich des Todesdatums fehlt uns die letzte Gewissheit. Geboren wurde er in England - vermutlich Oxford. Sein ihm später verliehener Spitzname verrät einiges über seine Reputation - Doctor Mirabilis. Bacon ging in die Geschichte als franziskanischer Philosoph und Reformer ein. Er setzte sich für maßgeblich für experimentelle Forschung ein. Mathematik, Astronomie, Optik, Alchemie und Sprachen gehörten zu seinen Studienfächern.

Er war der erste Europäer, der die Herstellung von Schießpulver beschrieb. Er sagte Flugmaschinen, Motorschiffe und Autos vorher. Auch legte er ungeheure Energie und Eifer an den Tag bei der Verfolgung seiner experimentellen Wissenschaft, was ihm den Ruf eines Genies einbrachte. Seine Arbeit war praktisch in aller Munde. Sein Ruf sicherte ihm nicht nur einen Platz in den Annalen der Wissenschaft, auch die populäre Literatur bediente sich seiner in erklecklichem Umfang.

Bacon entstammte einer wohlhabenden Familie. Er genoss alle Segnungen eines Kindes reicher Eltern. Er war geschult an den Klassikern, beschäftigte sich aber auch schon früh mit Geometrie, Arithmetik, Musik und Astronomie. Er dürfte in Paris studiert haben. Nach eigenem Zeugnis traf er sowohl den Franziskaner Alexander von Hales als auch den großen Meister William von Auvergne während seiner Pariser Zeit. Zunächst hatte er sich zunächst dem Studium der Künste zugewandt. Er hörte aristotelische und pseudoaristotelische Traktate. Wohl aufgrund seiner Lehrer war sein Weltbild am Ende stark von Neoplatonischen Elementen bestimmt.

Aus welchem Grund auch immer fand 1247 ein bemerkenswerter Wandel statt in seiner intellektuellen Entwicklung. Bacon verbrachte viel Zeit mit experimenteller Forschung. Außerdem begann er, immense Summen für Meßgeräte und dubiose Bücher auszugeben. Er suchte Kontakt zu einschlägigen Gelehrten. Eventuell hing dieser Wandel mit seiner Rückkehr nach Oxford zusammen und dem Einfluss von Robert Grosseteste - einem der führenden Lehrmeister der antiken Wissenschaften.

Bacon verschrieb sich ganz den neuen Disziplinen. Er glaubte fest an die Notwendigkeit des experimentellen Beweises. Dabei legte er offenbar weniger Wert auf effektiven Erkenntnisgewinn als auf die Erstellung einer gewissen Systematik in der Forschung. Er bewunderte Peter de Maricourt (siehe unten), den er für den alleinigen Meister des Experiments erachtete.

Bacon stellte alchemistische Experimente an und beschäftigte sich mit der Natur des Lichtes. Er schlug vor, dass ein Ballon aus Kupferfolie mittels "flüssigem Feuer" fliegen müsste und er stellte Untersuchungen zu Flugmaschinen mit Flügeln an. Auch beschrieb die Herstellung von Schießpulver. Die praktische Verwendung in Waffen fand erst im darauffolgenden Jahrhundert statt. Er beschrieb die Brille, erläuterte das Prinzip von Reflexion und Brechung, sagte von Propellern getriebene Schiffe und Autos voraus. Er verwendete eine Camera Obscura um eine Sonnenfinsternis zu beobachten.

1257 fand eine dramatische Veränderung in Bacons Leben statt. Er wurde sehr krank und trat dem Orden Friars Minor bei. Er fühlte sich von allen vergessen, seine Universitätskarriere war am Ende. Sein jähzorniges Auftreten hatte ihn in Opposition zu seinen Vorgesetzten gebracht. Er wandte sich an Papst Clement IV . Eventuell kannte er ihn aus seiner Zeit in Frankreich. Er versuchte, den Papst von seinem Standpunkt zu überzeugen, dass eine Stärkung der experimentellen Wissenschaft von großem Nutzen nicht nur für die Kirche sein könnte.

Clement zeigte sich durchaus interessiert und bat Bacon um Stichproben seiner Arbeit. Bacon dachte eher an eine große Enzyklopädie aller bekannten Wissenschaften, ein Projekt von epischer Größe unter Beteiligung zahlreicher Wissenschaftler im Rahmen einer päpstlichen Stiftung. Während der Papst dachte, das Werk gäbe es schon, steckte Bacon gerade in der Projektierungsphase. Er machte sich auf Anweisung des Papstes ans Werk und schrieb in bemerkenswert kurzer Zeit das Opus maius , Opus minus und Opus tertium.

Auf Befehl des Papstes hatte die Enzyklopädie im Geheimen zu entstehen. Die Aktivitäten Bacons blieben jedoch seinen Vorgesetzten nicht lange verborgen. Trotz intensiven Drängens bis hin zu spiritueller Nötigung widerstand Bacon ihrer Neugier und wahrte das Geheimnis.

Besonders in Anbetracht der Umstände vollbrachte er Erstaunliches. Nach eigener Ansicht hatte er auf vage Spekulationen verzichtet und stattdessen Bereiche berührt, von denen die Universitäten und Schulen in Paris noch nicht einmal träumten. Das Opus maius war gedacht, den Papst von der Notwendigkeit der angestrebten Reform zu überzeugen. Der Tod Clements riss Bacon jäh aus seinen Träumen. Es sollte noch etwas dauern, bis die Naturwissenschaften den ihnen gebührenden Platz an den Universitäten einnehmen sollten.

Bacon setzte seine Arbeit an der großen Enzyklopädie fort. Allerdings sollten nur Bruchstücke davon je veröffentlicht werden. Communia naturalium (Allgemeine Prinzipien der Natur) und Communia mathematica (Allgemeine Prinzipien der Mathematik) entstanden um 1268. Das Kompendium der Philosophie tauchte um 1272 auf. Einmal mehr zeigte er sich als Aristoteliker. Auch in seinen naturwissenschaftlichen Bänden ließ er immer wieder philosophische Diskurse einfließen.

Irgendwann zwischen 1277 und 1279 wurde Bacon von seinen Franziskanerbrüdern inhaftiert. Er hatte "verdächtige Neuheiten" in seine Lehre einfließen lassen. So zumindest lautete die offizielle Version.

Es könnte durchaus sein, dass es eine Revanche war für seine bissigen Attacken gegen Theologen und Gelehrte seiner Zeit. Außerdem legte er eine frappierende Leichtgläubigkeit in den Bereichen Alchemie und Astronomie an den Tag, ganz zu schweigen von seinem Hang zu den Prophezeiungen des Mystikers Joachim von Fiore.

Es ist nicht bekannt, wie lange er inhaftiert war. Sein letztes Werk erschien 1292. Es war, wie so viele andere, leider unvollständig. An Bissigkeit und Aggressivität hatte er jedoch nichts eingebüßt.

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Weiterführendes: Manuskript der Rätsel

Wilhelm von Auvergne (Alvernus), scholast. Philosoph, geboren zu Aurillac, studierte in Paris, wo er als Lehrer der Theologie auftrat und 1228 Bischof wurde, als welcher er 1249 starb. In seinen Schriften: "De universo", "De anima", "De animae immortalitate" und "De veritate" hält er sich an Aristoteles, die Araber und den Hermes Trismegistos und unterscheidet in den letztgenannten eine sechsfache Wahrheit, indem dieselbe 1) die Sache selbst, 2) das Gegenteil des Scheins, 3) die Unvermischtheit, 4) das Wesen, 5) das Wesen Gottes, 6) die Widerspruchslosigkeit in den Begriffen und Urteilen bezeichnet. Auch leugnete er die Ewigkeit der Welt und suchte die Verschiedenheit der menschlichen Seele vom Leib samt deren Einfachheit und Unsterblichkeit darzuthun. Seine "Opera omnia" erschienen zuletzt Paris 1674, 2 Bde.
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"Bischof von Paris 1228-48 oder 49, stammte aus Aurillac und galt als einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Die meisten seiner Werke wurden von Bl. Ferronius in 2 Folio-Bänden herausgegeben. In der Schrift »De universo«, entstanden um 1230, bietet Wilhelm von Paris eine bereits ausgebildete Lehre von den Dämonen. Des weiteren berichtet er unter anderem ausführlich über das Kristallsehen und erklärt es als »Erleuchtung der Seele durch ein geistiges Licht, das entweder Gott selbst ist oder von ihm vermittelt wird. Alles, was die Seele vom Körper lösen kann, ... also etwa Entrückung durch das Anschauen von spiegelnden Flächen, begünstigt den Empfang der Emanation. Des weiteren berichtet Wilhelm von Paris über die schon damals geläufige Ansicht, dass Hexen auf Stöcken und Besen durch die Luft zu ihren Versammlungen reiten, wobei er jedoch der Meinung ist, dass solche Nachtfahrten nicht von Menschen unternommen werden, sondern von Dämonen, die durch ihre Kunst die Menschheit täuschen. Daneben berichtet Wilhelm auch über einen vermeintlichen Werwolf, einen Mann, der sich zeitweise in einer Höhle im Dickicht verbarg und in einem ekstatischen Zustand die Tierverwandlung zu erleben vermeinte und vieles andere. Peuckert 1956, veröffentlicht die Übersetzung eines Briefes von Roger Bacon an Wilhelm von Paris, worin die Zauberbücher verdammt werden, weil das Wahre darin mit so viel Falschem vermengt sei, dass man beides nicht mehr unterschieden könne."
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